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Inklusion

Bild: Gisela Peter / pixelio.de

Als Sonderpädagoge mit der Fachrichtung Geistigbehinderten Pädagogik, der zu 85% im inklusiven Setting arbeitet, ist mir das Thema Inklusion sehr wichtig. Seit über fünf Jahren bin ich an die Grundschule Heuchling (Schule mit dem Profil Inklusion) abgeordnet und begleite Schülerinnen und Schüler mit besonderen Bedürfnissen im Alltag der Regelschule. Eine ähnliche Aufgabe erfülle ich im Mobilen sonderpädagogischen Dienst, derzeit an 5 Grund- und Mittelschulen im Landkreis Nürnberger Land.

Schulen mit dem Profil Inklusion haben eine Leuchtturmfunktion für andere Schulen. Inklusion ist die Aufgabe aller Schulen in Bayern. Jedoch haben Profilschulen durch besondere Lehrerstundenzuweisungen eine andere Ausgangsposition.

 

Inklusion ist ein Begriff der in aller Munde ist. Für mich persönlich wird der Begriff jedoch inflationär und oft an der Lebenswirklich der Kinder und Jugendlichen mit speziellen Bedürfnissen vorbei verwendet. Manche "schreiben Inklusion auf ihre Fahnen" um sich zu profilieren. Die notwendige Haltung gegenüber Kindern mit besonderen Bedürfnissen fehlt ihnen jedoch.

Mein ehemaliger Professor Otto Speck, bei dem ich noch zwei Hauptseminare besuchen durfte, spricht in der Süddeutschen Zeitung von "inklusiven Missverständnissen". Mit der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention ist auf keinem Fall die Abschaffung des Förderschulsystems gemeint. "Dass Förderschulen abgeschafft werden, beruht auf Übersetzungs- und Denkfehlern" (Speck 2015 in der SZ)

Die reale Umsetzung von einer inklusiven Beschulung, ehrlicher vielleicht die integrativen Beschulung von Kindern mit einem "sehr hohen sonderpädagogischen Förderbedarf" ist sehr herausfordernd. Dies betrifft besonders die so genannte Einzelinklusion von Kindern in Grund- und Mittelschule.

Klassen an Grund- und Mittelschulen in denen Kinder mit einer Behinderung inklusiv beschult werden, sind in Bayern nicht zwingend kleiner. Grund- und Mittelschullehrer erhalten für diese anspruchsvolle Arbeit keine Ermäßigungsstunden, obwohl sie oft Förderpläne und spezielles Material erstellen müssen und möchten. Die räumlichen und personellen Bedingungen entsprechen nicht immer den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen mit Förderbedarf. Diese sehr engagierten Grund- und Mittelschullehrer erhalten nicht immer die ihnen zustehende Wertschätzung. Unterstützung erhalten diese Lehrkräfte durch die Mobilen sonderpädagogische Dienste, die beratend und teilweise aus fördernd zur Seite stehen.

Nach einer "Allensbach-Umfrage" im Auftrag der Bundesvereinigung Lebenshilfe vom November 2013 besteht bei 76 % der Eltern mit Kindern im Alter zwischen 6 und 17 Jahren große Skepsis, dass die Schulen ausreichend auf die Inklusion von Schülern mit Behinderung vorbereitet sind. Auch glauben 67 % dieser Eltern, dass es für ein Kind mit geistiger Behinderung besser ist, wenn sie an einer speziellen Förderschule unterrichtet werden.

So ist die gemeinsame Unterrichtung von Kindern mit und ohne Behinderung keine leichte Aufgabe.

Eine Inklusion von Kindern mit kognitiven Beeinträchtigungen in eine Schule, die Schüler in der 4. Klasse nach ihren kognitiven Kompetenzen selektierten muss, ist eine sehr große Herausforderung.

 

Eine gute Möglichkeit zur Inklusion unter den jetzigen Bedingungen sind in Bayern die Partnerklassen. Partnerklassen sind Klassen einer Förderschule, die an einer allgemeinen Schule verortet sind, die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchen. Diese Partnerklassen arbeiten intensiv mit einer Klasse der Grund- oder Mittelschule zusammen. Sie ermöglichen jedoch auch einen individuellen und angepassten Unterricht durch den Sonderpädagogen in einer kleinen Klasse.

In der Pegnitz-Zeitung wird der Beginn der Zusammenarbeit zwischen einer Klasse der Grundschule Diepersdorf und der Dr. Bernhard Leniger Schule (Förderzentrum Förderschwerpunkt geistige Entwicklung) in Lauf-Schönberg als "ein Miteinander ohne falsche Betulichkeit" beschrieben.

Das "Ghetto der Behindertenhilfe" kann auch in anderer Richtung durchbrochen werden. Die Jakob-Muth-Schule Nürnberg (Förderzentrum Förderschwerpunkt geistige Entwicklung) hat Klassen der Henry-Dunant-Schule, eine Grundschule, ins Haus geholt, mit denen intensiv kooperiert wird. Die Nürnberger Nachrichten schreiben von einem "Selbstläufer ohne Bremseffekt in Schweinau".